CASE STUDY · FELSREKONSTRUKTION

Gubelstein.

Felsrekonstruktion im geologischen Bestand · Schweiz

ORT
Privates Anwesen · Schweiz
AUFGABE
Rekonstruktion und Fortführung der bestehenden Felsformation
DIMENSION
ca. 100 m Länge · bis 8 m Höhe
AUSFÜHRUNG
Februar – Mai 2026
GEOLOGISCHE BEGLEITUNG
Dr. Alfred Gübeli

01 / Ausgangslage

Was verloren ging.

Nach einem Felssturz musste eine rund 100 Meter lange natürliche Felswand auf einem privaten Anwesen in der Schweiz gesichert werden. Gefährdete Bereiche wurden abgetragen, die verbleibende Formation felstechnisch stabilisiert.

Damit war die unmittelbare Gefahr beseitigt – zugleich waren wesentliche Teile der ursprünglichen Felsformation verloren.

Die Aufgabe bestand darin, diesen Bereich so zu rekonstruieren, dass die vorhandene Geologie schlüssig weitergeführt wird. Mergelbänke, knolliger Mergel und Nagelfluh bestimmten Geometrie, Schichtung und Bruchbild der neuen Formation.

Die Rekonstruktion musste deshalb mehr leisten, als natürlichem Fels ähnlich zu sehen. Sie musste sich geologisch nachvollziehbar aus dem Bestand entwickeln.

Felssturz am Gubelstein in der Schweiz vor Beginn der geologischen Rekonstruktion der Felswand.
Gesicherte Felswand am Gubelstein vor der Rekonstruktion mit abgestützten natürlichen Felsbänken.

Sicherung der verbliebenen natürlichen Felsformation

Drohnenaufnahme der Baustelle am Gubelstein während der Rekonstruktion der rund 100 Meter langen Felswand.

Baustellensituation nach Felssicherung, Abtrag und beginnender Rekonstruktion

02 / Geologie

Das Vorbild war bereits da.

Die verbliebene Felswand gab vor, wie die verlorenen Bereiche rekonstruiert werden mussten. Nicht als einzelne Oberfläche, sondern als geologischer Zusammenhang unterschiedlicher Gesteinsformationen.

Am Gubelstein treffen Mergelbänke, knolliger Mergel und Nagelfluh aufeinander. Jede dieser Formationen besitzt eine eigene Struktur, Schichtung und ein charakteristisches Bruchverhalten. Entscheidend war deshalb nicht nur die Form einzelner Partien, sondern ihr Verhältnis zueinander.

Begleitet wurde die Rekonstruktion von Dr. Alfred Gübeli, der das Projekt bereits felstechnisch und geologisch betreute. Seine Expertise bildete die Grundlage dafür, die vorhandenen Strukturen zu lesen und sedimentologisch schlüssig weiterzuführen.

Die Geologie wurde damit nicht zur Vorlage für eine optische Annäherung. Sie wurde zum Regelwerk für den neuen Fels.

„Wenn der Geologe sein Hämmerli zückt, muss der Fels bestehen.“

Dr. Alfred Gübeli

Die Form erfassen.

Die bestehende Felsformation wurde in Teilen dreidimensional erfasst. Der 3D-Scan machte Geometrie, Schichtverläufe und Übergänge räumlich lesbar und ergänzte die geologische Analyse um eine präzise Bestandsaufnahme.

Er diente dabei nicht als digitale Schablone, sondern als räumliche Referenz für Maßstab, Proportionen und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Formationen.

Aus unmittelbarer Nähe.
Die rekonstruierte Felswand ist über weite Strecken direkt zugänglich. Entsprechend musste die geologische Logik bis in die feinste Modulation der Oberfläche funktionieren.

Graues 3D-Modell eines zerklüfteten Felsabschnitts mit horizontalen Gesteinsschichten, tiefen Spalten und unregelmäßigen Vorsprüngen vor weißem Hintergrund.
Natürliche Felswand am Gubelstein mit unterschiedlichen Gesteinsschichten und charakteristischen geologischen Strukturen.
Natürliche Felswand am Gubelstein mit deutlich sichtbaren Gesteinsschichten aus Mergel und Nagelfluh.

Bestand 2026 vor dem Abtrag

03 / Umsetzung

Geologie wird gebaut.

Die vorhandene Felssicherung bildete den konstruktiven Ausgangspunkt. Darauf entwickelten wir mit unserem X-Grid eine räumliche Unterkonstruktion, die den Überhängen, Vorsprüngen und wechselnden Geometrien der natürlichen Formation folgen konnte.

Auf dieser Grundlage entstand der Fels vor Ort. Die zuvor analysierte geologische Typik wurde dabei nicht exakt kopiert, sondern handwerklich in die neue Formation übersetzt.

Spritzbeton, Modellierung und Coloration wurden als zusammenhängender Prozess gedacht. Form, Oberfläche und Farbigkeit entwickelten sich aus derselben Referenz: dem vorhandenen Fels.

Räumlich geformte Unterkonstruktion der Felsrekonstruktion am Gubelstein unterhalb der bestehenden Felswand.
Felsrekonstruktion am Gubelstein vor der handwerklichen Modellierung der Felsoberfläche.
Handwerkliche Modellierung der Felsrekonstruktion am Gubelstein in Beton mit Ausarbeitung der geologischen Schichtung.
Nahaufnahme der handwerklichen Modellation am Gubelstein: Mit einem Druckluftmeißel wird die Oberfläche des rekonstruierten Felsens strukturiert.
Ein Mitarbeiter koloriert die rekonstruierte Felswand am Gubelstein. Er steht auf einer Leiter zwischen den hellen Felsformationen; Teile des Felsens sind bereits von Moos und Vegetation bewachsen.

04 / Ergebnis

Wir waren niemals hier.

Nach rund drei Monaten Bauzeit ist die Rekonstruktion Teil der bestehenden Felswand geworden. Unterschiedliche Formationen, Schichtverläufe und Bruchbilder setzen sich über die Grenzen von Bestand und Ergänzung hinweg fort. Die Rekonstruktion tritt als solche nicht mehr in Erscheinung.

Fertige rekonstruierte Felswand am Gubelstein mit hellen und dunklen Gesteinsformationen, ausgeprägten Schichtverläufen und Bepflanzung entlang der Felswand.
Rekonstruierte Felswand am Gubelstein mit unterschiedlichen Gesteinsformationen und Schichtverläufen; am Fuß der Felswand wächst Lavendel.
Detail einer künstlich gestalteten Felswand mit unterschiedlichen Gesteinsstrukturen, tiefen Rissen und übereinanderliegenden Felsschichten in Grau- und Beigetönen.
Detail der rekonstruierten Felswand am Gubelstein mit hellen, horizontal verlaufenden Gesteinsschichten, Bruchkanten und dem Übergang zur dunkleren Felsformation darüber.
Rekonstruierte Felswand am Gubelstein neben der Poolanlage, eingebettet zwischen bestehendem Fels, Bepflanzung und altem Baumbestand.
Rekonstruierte Felswand am Gubelstein entlang einer privaten Poolanlage, mit bepflanztem Übergang zwischen Fels, Garten und Wasser.
Sonniger Weg entlang einer künstlich gestalteten Felswand des Projekts Gubelstein von Artificial Nature. Die hellgrauen Felsen zeigen ausgeprägte Schichtungen und Spalten; links stehen eine kleine Palme und weitere Pflanzen.

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